Begriffe

Sattelleder / Skirting:
Ein schweres pflanzlich gegerbtes Rindsleder, in der Fachsprache Blankleder genannt. Im Auslieferungszustand allenfalls eingefärbt, über die eigentliche Gerbung hinausgehend aber weitestgehend unbehandelt; der Sattler hat also freie Hand und kann diese Art Leder wie kein anderes zurichten, färben, ölen, formen, ... Sattelleder deshalb, weil genau hier seine eigentliche Bestimmung liegt: um daraus einen hochwertigen Reitsattel aufzubauen. Skirting als die gebräuchliche US-amerikanische Bezeichnung bezieht sich auf den sog. Skirt - die großflächigsten Teile eines Sattels, die seitlichen  Sattelblätter; hier wird besonders schweres Leder benötigt, weil dieser Bereich auch die meiste Beanspruchung erfährt. Wenn man in den USA also "Skirting-Leather" ordert, erhält man besonders dickes Sattelleder. Alle Sattelleder, die ich in meinem Sortiment habe, beziehe ich als "Skirting", mindestens 5,5mm stark. Wenn ich leichteres Sattelleder benötige, spalte ich die entsprechenden Stücke mit einer antiken Handspaltmaschine, dem "Splitter/ Skiver". Traditionelles, pflanzlich gegerbtes Sattelleder hat zunächst einen sehr niedrigen Fettgehalt, fühlt sich im Rohzustand trocken und hart an. Es ist sehr widerstandsfähig, reißfest und belastbar. Seine Vorteile liegen vor allem darin, unter Zuhilfenahme von Wasser wunderbar formbar zu sein. Es lässt sich hervorragend ölen und färben. Im täglichen Gebrauch nimmt es mit der Zeit und durch die individuelle Nutzung wie kein anderes Leder entsprechend Form und Kontur an, entwickelt eine unheahnt schöne, tiefe Patina.

Geschirrleder / Harness:
Ein klassisches Geschirrleder ist vereinfacht dargestellt zunächst einmal nichts anderes als ein pflanzlich gegerbtes Rindsleder, dem im Anschluss an den eigentlichen Gerbvorgang über verschiedene Wege eine Menge an Fett zugeführt wird, teilweise bis zu einem Fettgehalt von 40%! Dieses Leder ist sehr reiß- und zugfest , vor allem aber extrem witterungsbeständig, und genau hier findet sich seine Verwendung: als Zug-/ Reit-/ Rücke-/ und  (heute nur noch äußerst selten) Klettergeschirr nämlich, sowie für jeglichen Gebrauch, der im Freien und ungeachtet der Wetterlage stattfinden soll. Der hohe Fettgehalt verhindert das Eindringen von Feuchtigkeit, dem natürlichen Feind eines jeden Leders: Feuchtigkeit lässt die Fasern aufquellen und kann die Gerbstoffe herauswaschen, um im schlimmsten Fall die entsprechenden Faserverbindungen aufzulösen; das Leder würde im getrockneten Zustand dann mit der Zeit brechen bzw. reißen. Ein ordentliches Geschirrleder fühlt sich ungeachtet seiner Dicke (durch das viele Fett quillt das Leder regelrecht auf, 7mm und darüber sind keine Seltenheit!) zunächst sehr kühl und hart an, wird aber schnell erstaunlich weich und regelrecht geschmeidig.

Rough-Out:
"Rough Out" bedeutet nichts anderes, als dass das Leder mit seiner eigentlichen Rückseite (der Fleischseite) sichtbar nach außen verarbeitet wird. Ästhetisch hat das seinen ganz eigenen Reiz, in der Praxis findet sich "Rough-Out" vor allem an Western-Reitsätteln; die raue Rückseite kräftigen Sattelleders gibt einfach deutlich mehr Halt als die glatte Oberfläche seiner Haarseite.

Full Grain:
"
Full Grain" bedeutet, dass es sich um ein Leder/ -Produkt handelt, bei dem der Narben (quasi die Haarseite und damit hochwertigste Teil des Leders, der ihm seine Schönheit und vor allem Stärke gibt) vollkommen erhalten ist. Leider finden sich in der lederverarbeitenden Branche häufig sogenannte Spaltleder. Das ursprünglich dickere Leder wird dann mittig gespalten - der obere, hochwertigere Teil ist damit also "Full Grain", der Rest das eben erwähnte Spaltleder; im Prinzip Abfall, der uns (etwas aufgehübscht) dann aber tagein tagaus an unzähligen Lederprodukten begegnet (das beste Beispiel ist Schuh-Massenware).  Zu allem Überfluss dürfen solche Produkte dann auch noch das Siegel "Echtes Leder / Genuine Leather" tragen, "Lederabfall" wäre trefflicher...
Ein "Full Grain" - Lederprodukt erkennt ihr in aller Regel an seiner glatten Oberfläche (bei echtem "Rough Out" ist es die Rückseite!), auf der die Poren der ursprünglichen Rohhaut noch deutlich zu erkennen sind.